Grillen auf dem Balkon: Erlaubt oder nicht?

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Im Sommer wollen viele Menschen ihren Balkon ausgiebig nutzen – auch zum Grillen. Was in der Mietwohnung erlaubt ist und worauf beim Grillen auf Balkon und Terrasse geachtet werden sollte.

Ist grillen auf dem Balkon erlaubt?

Grundsätzlich ist das Grillen auf Balkon, Terrasse und im Garten gesetzlich erlaubt. Allerdings gibt es Einschränkungen: Nach Paragraf 364 Absatz 2 des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB) muss die Einwirkung auf Nachbarn oder Anrainer im Rahmen bleiben. Andernfalls kann der Nachbar sogar eine Unterlassungsklage anstreben.

Auch im Mietrechtsgesetz hat Rücksichtnahme oberste Priorität. Stören Geruch und Lärm den Nachbarn dauerhaft kann er die Miete mindern, denn der Vermieter muss dem Mieter gewährleisten ihn vor der Beeinträchtigung durch Dritte zu schützen. Grillt der Mieter weiter auf seinem Balkon kann der beeinträchtigte Mieter Anzeige bei der Polizei erstatten.

Mieter sollten in jedem Fall vor dem Grillfest unbedingt einen Blick in die Hausordnung werfen. Denn der Vermieter kann das Grillen auf dem Balkon im Mietvertrag oder der Hausordnung verbieten oder einschränken – beispielsweise indem er festlegt, dass kein Holzkohlegrill verwendet werden darf. Wer sich daran als Mieter nicht hält, riskiert eine Abmahnung und, wenn er sich über das Grillverbot weiterhin hinwegsetzt, sogar die Kündigung.

Auch Wohnungseigentümer können nicht vollkommen frei entscheiden: Auch sie müssen sich an die Hausordnung der Eigentümergemeinschaft und die gesetzlichen Regelungen halten.

Wie oft darf man auf dem Balkon grillen?

Generell hängt das von den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort und der Hausordnung oder dem Mietvertrag ab. Auch polizeiliche Verordnungen vor Ort oder Landesgesetze können Regelungen dazu enthalten. Allgemein gilt: Wer grillt, sollte sich generell an die Ruhezeiten zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens halten.

Neben der Rücksicht auf die Nachbarn sind allerdings auch diese selbst in der Pflicht. Ist das Grillen auf dem Balkon grundsätzlich erlaubt, müssen sie auch gelegentlichen Grillgeruch hinnehmen. Im Endeffekt gilt: Ob es erlaubt ist auf dem Balkon zu grillen oder nicht, kommt auf den Einzelfall an. Wenn sich der Nachbar nicht an Grillgeruch und gelegentlichem Rauch stört, darf auch weiterhin auf dem Balkon gegrillt werden.

Praxis-Tipp

Vorab mit den Nachbarn sprechen

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen, die Grill-Fans treffen können, lässt sich viel Streit mit den Nachbarn und mit dem Vermieter schon vorab durch ein Gespräch und eventuell eine Einladung zur Grillparty vermeiden.

Darüber hinaus gelten die üblichen Gebote der Rücksichtnahme: Nach 22 Uhr sollte der Rauch verflogen und die Lautstärke heruntergefahren werden – insbesondere, weil viele Menschen gerade im Sommer gern bei offenem Fenster schlafen. Vorsorglich empfiehlt es sich natürlich, eine Grillfeier möglichst am Wochenende und nicht unter der Woche abzuhalten.

Welchen Grill darf ich auf dem Balkon benutzen?

Sofern im Mietvertrag zum Beispiel ein Holzkohlegrill nicht untersagt wird, ist grundsätzlich jeder Grill erlaubt. Ist nur der Holzkohlegrill verboten, kann auf Gas- oder Elektrogrills ausgewichen werden. Bei einem grundsätzlichen Grillverbot darf keiner der drei benutzt werden.

Das sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Grills:

1. Holzkohlegrill

Vorteile

  • beliebter Geschmack durch Raucharoma im Grillgut
  • Holzkohle und Briketts vielerorts leicht erhältlich und im Vergleich zur Gasflasche günstiger

Nachteile

  • Starke Rauchentwicklung, wenn Fett oder Marinade auf die heiße Holzkohle tropft
  • lange Dauer zwischen Anzünden und dem Moment, wo der Grill bereit für das Grillgut ist
  • Hitze lässt sich schlecht regulieren, besonders für Ungeübte schwer zu handhaben
  • Wind kann die Glut fortwehen und dadurch können Brände entstehen
  • Asche muss entsorgt werden, was ebenfalls dauert, weil die Asche auskühlen muss
Info

Wenn es doch unbedingt ein Holzkohlegrill sein muss

Wer auf den Holzkohlegrill auch auf dem Balkon nicht verzichten will, sollte auf Brandbeschleuniger oder chemische Grillanzünder verzichten und darauf achten, dass Kohle und Grillanzünder immer trocken sind. Ebenfalls empfehlenswert: langsames Grillen bei niedriger Temperatur und indirekter Hitze – Kohle auf die eine Seite des Grills, Fleisch auf die andere.

2. Gasgrill

Vorteile

  • kein Ruß und kein Qualm
  • Temperatur in der Regel einfach und variabel einstellbar
  • gewünschte Hitze schnell erreicht

Nachteile

  • Aufbau und Anschluss der Gasflasche zeitintensiver als beim Holzkohlegrill, Ungeübte sollten sich am Anfang Hilfe holen
  • Gasflasche muss sicher gelagert werden und bringt immer gewisses Risiko mit
  • Raucharoma des Grillguts fehlt

3. Elektrogrill

Vorteile

  • sauberste und schnellste Art zu grillen
  • einfache Handhabung
  • Temperatur je nach Modell gradgenau einstellbar
  • gewünschte Hitze schnell erreicht
  • kein Rauch oder Ruß
  • grillen sogar in geschlossenen Räumen möglich
  • einfache Reinigung

Nachteile

  • Gerät benötigt ausreichend Leistung, um gut zu funktionieren
  • Immer auf Stromquelle angewiesen
  • Raucharoma des Grillguts fehlt

Wie kann ich starke Rauchentwicklung beim Grillen vermeiden?

Der größte Störfaktor beim Grillen auf dem Balkon ist der Qualm. Ein paar Tipps helfen jedoch dabei, diesen gar nicht erst entstehen zu lassen und trotzdem Fleisch und Gemüse frisch vom Rost genießen zu können:

  • Elektrogrill verwenden: Ursache für starke Rauchentwicklung ist oft ein Holzkohlegrill. Alternativen sind der Gas- oder noch besser, der Elektrogrill.
  • Mariniertes vor dem Grillen abtupfen: Auch viele Marinaden basieren auf Öl, das in die Glut tropfen kann. Wer die marinierten Lebensmittel vorher abtupft, minimiert das Risiko für Rauchentwicklung.
  • Aluschalen verwenden: Bei der Verwendung von Aluschalen sammeln sich Fett und Marinade in der Schale und tropfen nicht in die Glut. Wenn Fett oder Fleischsaft auf die Glut tropft, bedeutet das mehr Qualm, und der ist gesundheitsschädlich. Die Flüssigkeiten können dann problemlos abgegossen werden.
  • Grill nach der Benutzung ordentlich reinigen: Ein gereinigter Grill sorgt ebenfalls für weniger Qualm. Alte Essensreste auf dem Rost verbrennen sonst und führen zu Rauchentwicklung.
  • Auf gute Luftzufuhr achten: Bekommt der Grill genug Luft und kann der vorhandene Rauch gleichmäßig nach oben abziehen, qualmt es auch weniger.

Ist Grillen auf dem Balkon gefährlich?

Grillen auf dem Balkon mit einem Holzkohlegrill ist gefährlicher als das Grillen im Freien. Wer nicht aufpasst, kann durch herumfliegende Funken schnell seine Balkon-Dekoration in Brand setzen. Diese Sicherheitstipps helfen dabei, das Grillen auf dem Balkon möglichst ungefährlich zu gestalten:

  • Am sichersten ist ein Elektrogrill, mit dem die Hitze reguliert werden kann und der Funkenflug kein Problem ist - eine Gasflasche braucht es auch nicht.
  • Der Grill sollte einen sicheren Stand haben, damit er nicht umfällt. Wacklige Konstruktionen und kleine Holzkohlegrills auf leeren Bierkästen sind tabu.
  • Keine Einweggrills verwenden, denn bei ihnen entsteht besonders viel Funkenflug. Grund ist ein chemisch behandeltes Stück Papier, das über den Kohlen liegt. Verbrennt dieses, können einzelne Fetzen vom Wind leicht davongetragen werden.
  • Für Notfälle vorsorgen: Idealerweise steht neben dem Grill auf dem Balkon ein Feuerlöscher. Ist keiner vorhanden, kann im Notfall auch Blumenerde oder eine Gießkanne helfen. Aber Vorsicht: Diese hilft nicht, falls Fett brennt. Das Feuer muss erstickt werden.
  • Typische Balkon-Deko entfernen: Girlanden, Windräder, Wimpel und Strohblumen wirken brandbeschleunigend und sollten vor dem Grillen entfernt werden.
  • Kinder sind in der Nähe des Grills tabu: Zu leicht könnten sie den Grill umstoßen und sich dabei verletzen oder einen Wohnungsbrand verursachen.

Grillen mit einem Gasgrill birgt immer eine Gefahr, egal ob auf dem Balkon oder woanders. Wer sich an die Sicherheitsvorschriften im Umgang mit einer Gasflasche hält, hat damit jedoch wenig Probleme. Das Grillen mit dem Elektrogrill birgt die wenigsten Gefahren. Die größte Gefahr dabei ist wohl, sich am Grill selbst zu verbrennen – das ist aber bei allen drei Grillarten möglich.

11.11.2021


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1 Kommentar

Avatar3 am 06.07.2022 16:29

Super die info

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