Wohnungsbesichtigungen wieder möglich: So machen’s Makler richtig

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Trotz der Coronapandemie bleiben Wohnungsbesichtigungen weiterhin gefragt. Seit dem 1. Mai sind nun auch wieder Besichtigungstermine vor Ort erlaubt. Immobilienmakler sollten dabei aber umsichtig vorgehen.

Corona Besichtigungstermin, Corona Wohnungsbesichtigung, eine grüne Türe öffnet sich, Foto: iStock.com/brazzo
Hereinspaziert: Die Lockerungsverordnung ermöglicht es, trotz Corona eine Wohnungsbesichtigung durchzuführen. Makler sollten dabei jedoch einige Regeln beachten. Foto: iStock.com/brazzo

Seit dem 1. Mai gilt die COVID-19-Lockerungsverordnung. Dadurch sind wieder Wohnungsbesichtigungen möglich. Für Immobilienmakler bedeutet das ein Stück weit eine Rückkehr zur Normalität – wenn auch unter Auflagen wie Abstands- und Hygienemaßnahmen. Aber wie genau sollte ein Besichtigungstermin ablaufen? Hierfür hat der Fachverband der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) eine Reihe von empfohlenen Verhaltensregeln ausgearbeitet.

Die Lockerungsverordnung gilt vorerst bis Ende Juni. Wie es danach mit den Wohnungsbesichtigungen weitergeht, wird sich noch zeigen.

Wer und wie viele Personen auf einmal dürfen eine Wohnung besichtigen?

Corona Besichtigungstermin, Corona Wohnungsbesichtigung, Foto: WKO
Arno Wimmer, Maklersprecher der Wirtschaftskammer Österreich. Foto: WKO

Die WKO empfiehlt, nach Möglichkeit Einzeltermine abzuhalten, an denen nur Personen teilnehmen, die im gemeinsamen Haushalt leben. Ist eine Wohnung so klein, dass ein ausreichender Abstand zum Kunden nicht möglich ist, so sei es auch denkbar, dass der Makler vor der Wohnung wartet und den Kunden die Wohnung allein besichtigen lässt, heißt es aus der Branche.

Sollte eine Einzelbesichtigung nicht möglich sein, so rät Arno Wimmer, Maklersprecher der WKO, sich sinngemäß an den Regelungen für die Dienstleistung in Betriebsstätten zu orientieren: „In Geschäftsräumlichkeiten oder bei Wohnungsbesichtigungen sollten sich höchstens so viele Kunden aufhalten, dass pro Kunde 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen.“

Pflichten durch Corona: Wie soll der Besichtigungstermin stattfinden?

Bei der Besichtigung sollten alle Personen, die nicht aus einem gemeinsamen Haushalt stammen, den vorgeschriebenen Mindeststabstand von einem Meter zueinander einhalten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Dieser vorgeschriebene Mindeststandard ist sowohl von Unternehmern und ihren Mitarbeitern als auch von den Kunden einzuhalten“, sagt Maklerexperte Wimmer. Darüber hinaus gelte es grundsätzlich, das Ziel der Ansteckungsprävention auch eigenverantwortlich zu betreiben und je nach Situation darüberhinausgehende Schutzmaßnahmen zu treffen.

Tipps bei Corona: Abstands- und Hygienemaßnahmen

  • Bereits im Exposé auf die Art der angebotenen Besichtigung hinweisen – zum Beispiel Onlinebesichtigung per Immo-Live, Skype oder Facetime, oder Einzelbesichtigung vor Ort.
  • Fragen zur Immobilie und Terminvereinbarung besser nur online oder telefonisch. „Trotz voranschreitender Entspannung der Situation sollen unnötige persönliche Kontakte vorerst noch weitgehend vermieden werden“, meint Wimmer von der WKO.
  • Kein gemeinsames Liftfahren zur Wohnung, wenn möglich. „Abhängig vom Stockwerk des zu besichtigenden Objekts und der Größe der Liftkabine kann eine Benützung nacheinander im Einzelfall sinnvoll sein“, rät der Maklerexperte.
  • Kein Körperkontakt – aufs Händeschütteln verzichten und auch auf die Nies- und Hustenetikette achten, zudem einen Abstand von ein bis zwei Metern zueinander halten.
  • Kein Austausch von Dokumenten – diese besser vorab oder direkt nach dem Termin dem Interessenten digital zukommen lassen.
  • Kontakt zu Gegenständen meiden – offene Innentüren ermöglichen eine Besichtigung, ohne ständig Klinken anfassen zu müssen. Sollte dies nicht immer möglich sein, dann sollten alle Kontaktflächen regelmäßig gründlich desinfiziert werden.
  • Hygienemittel bereitstellen. Für Anbieter empfiehlt sich zum Beispiel ein Fläschchen Desinfektionsmittel, damit Interessenten ihre Hände desinfizieren können.

„Zur Schaffung eines Settings, das dem Kunden Sicherheit und ein umfassendes Service vermittelt, ist es empfehlenswert, MNS-Masken, Handschuhe oder Desinfektionsmittel für den Bedarfsfall parat zu haben.“

— Arno Wimmer, Maklersprecher der Wirtschaftskammer Österreich

Wenn die Wohnung noch bewohnt ist, müssen die Mieter der Besichtigung zustimmen?

Corona Besichtigungstermin, Corona Wohnungsbesichtigung, Schuhe stehen vor einer Wohnungstüre, Foto: Annatamila/stock.adobe.com
Eintreten oder lieber draußen bleiben? Ist eine Wohnung noch bewohnt, sollte die Notwendigkeit von Besichtigungsterminen gut abgewogen werden. Foto: Annatamila/stock.adobe.com

Für gewöhnlich müssen Mieter einer Wohnungsbesichtigung zustimmen, insofern das Ende des Mietverhältnisses bevorsteht und die Wohnung vermittelt werden soll. Dafür muss der Besichtigung allerdings rechtzeitig angekündigt sein, als Faustregel gilt hier circa zwei Wochen im Voraus.

Während der Coronakrise sollten Vermieter, Mieter und Interessent jedoch das Gespräch miteinander suchen und sich fragen: Ist die Besichtigung nicht zu verschieben? Kann sie vielleicht virtuell durchgeführt werden? Denn nach Möglichkeit sollte das Ansteckungsrisiko durch Corona minimiert werden. Lässt sich die Besichtigung nicht virtuell durchführen, so rät die WKÖ nur im Einvernehmen mit bestehenden Bewohnern die persönliche Besichtigung bewohnter Immobilien durchzuführen.

Besondere Rücksicht sollte bei Wohnungsbesichtigungen auf jene genommen werden, die aus gesundheitlichen Gründen Angst vor Kontakten haben. Ebenso ist besondere Vorsicht bei gefährdeten Personen geboten. Wenn ältere Personen oder jene mit Vorerkrankungen beteiligt sind, sollten, im Falle einer unumgänglichen Besichtigung, die Vorsichtsmaßnahmen umso schärfer ausfallen. In jedem Fall sollten die Umstände für den Mieter zumutbar bleiben und die Gesundheit aller im Vordergrund stehen.

Achtung

Für Mieter, die unter Quarantäne stehen, gelten andere Regeln, denn sie dürfen keine sozialen Kontakte wahrnehmen. Makler und Vermieter sollten hierfür die zuständige Gesundheitsbehörde befragen, wie vorgegangen werden soll.

06.05.2020


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