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DENKMALBEDEUTUNG
Geschichtliche Bedeutung
Das Landhaus ist im Jahr 1875 erbaut worden. Das Gebäude markiert das südliche, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschlossene Erweiterungsgebiet des Ortskerns von Feldafing und ist eines der seltenen, insgesamt gut in seine Baubestand erhaltenen Landhäuser des bürgerlichen Mittelstandes, die einst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert am Starnberger See und Ammersee weit verbreitet waren. Es rekurriert als Flachdachbau mit überstehenden Dachtraufen und holzverschalten Giebeln auf den ländlichen Hausbau, nimmt aber mit seiner symmetrischen Fenstergliederung, seinem mittigen Risalit mit Zwerchhaus und dem weitgehend symmetrischen Grundriss mit rückwärtigem Treppenhaus Merkmale des klassizistischen Villenbaus auf, die sich im Landkreis mit wenigen, für die Oberschicht geschaffenen, repräsentativen Bauten erhalten haben. Das verglichen damit deutlich bescheidenere Landhaus ist durch seinen dicht erhaltenen historischen Baubestand hingegen ein anschauliches Beispiel des Wohn-, Lebens- und Baukultur des damaligen Mittelstandes. Die Anbauten von verglaster Eckloggia, Wintergarten, Lauben und Vorzeichen, ebenso wie die Büroausstattung im Dachgeschoss um das Jahr 1910 dokumentieren das gestiegene Repräsentationsbedürfnis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als weitgehend authentisch erhaltenes Wohnhaus von Kurt von Kleefeld, dem jüdischen Generalverwalter der hohenlohe-oehringischen Güter und Schwager des Reichskanzlers und Außenministers Gustav Stresemann, der in dem Anwesen des Öfteren zu Gast war, besitzt das Anwesen auch zeitgeschichtliche Bedeutung. Der Verkauf des jüdischen Besitzes an Richard Andreas Humpl. Der dort 1936 eine Konditorei und ein Kaffeehaus einrichtete, spiegelt die zunehmend prekäre Lebensbedingungen der jüdischen Bevölkerung in der NS-Zeit.
Künstlerische Bedeutung
Das ruhige und symmetrisch gegliederte Wohnhaus ist ein baukünstlerisch qualitätvoll gestaltetes Landhaus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das ländlichen und klassizistischen Bautraditionen verpflichtet ist. Aufriss und Grundriss ebenso wie Baudetails wie die klassizisierenden Geländer der Haustreppe zeigen die bescheidene, aber dennoch deutliche Orientierung am Klassizismus. Die bereichernden An- und Einbauten der Loggia und des Vorzeichens ebenso wie die qualitätvolle, wandfeste Ausstattung der südlichen Giebelkammer sind ihrer geklärten historischen Formsprache Dokumente des Reformstils der Zeit um 1910.