Bei diesen Wohnungen gilt das Mietrechtsgesetz

Lesermeinungen:  

(16)

Bei Streit zwischen Mieter und Vermieter ist oft unklar, welche Gesetze gelten. Ausschlaggebend ist oft, ob das Mietrechtsgesetz (MRG) Anwendung findet. immowelt zeigt, wann das der Fall ist und wann nicht.

Eine Frau hält das MRG in den Händen. Foto: contrastwerkstatt / stock.adobe.com
Bei Streit zwischen Mieter und Vermieter, stellt sich oft die Frage, ob das Mietrechtsgesetz für die Wohnung gilt. Foto: contrastwerkstatt / stock.adobe.com

Wer zur Miete wohnt, sollte wissen, ob seine Wohnung in den Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes fällt – schließlich leiten sich daraus wichtige Rechte wie der Kündigungsschutz oder Regelungen zur Mieterhöhung ab.

Der durch das MRG geregelte Mieterschutz bedeutet, dass der Mietvertrag keine für den Mieter nachteilige, dem MRG widersprechende Regelungen enthalten darf. Das MRG gilt aber nicht für alle Mietverhältnisse gleichermaßen. Die Gesetzeslage unterscheidet dabei zwischen Vollanwendung, Nichtanwendung und Teilanwendung.

In Kürze: Wann gilt das Mietrechtsgesetz?

Der Unterschied für Mietverträge im MRG zwischen Vollanwendung, Teilanwendung und Nichtanwendung (Vollausnahmebereich) besteht darin, dass Mieter:

  • im Vollanwendungsbereich des MRG Preisschutz und Kündigungsschutz genießen.
  • im Teilanwendungsbereich des MRG nur über einen Kündigungsschutz verfügen.
  • im Nichtanwendungsbereich des MRG keinen Preisschutz und Kündigungsschutz haben.

Bei diesen Wohnungen ist das Mietrechtsgesetz voll anwendbar

Altbau Wohnungen in Wien. Foto: Foto: Stephan Walochnik / stock.adobe.com
Für die Mietwohnungen historischen Gebäude gilt das MRG voll. Foto: Stephan Walochnik / stock.adobe.com

Ob das Mietrechtsgesetz voll, teils oder gar nicht anwendbar ist, stellen die umfangreichen Regeln in Paragraf 1 MRG fest. Als grobe Faustregel gilt, dass die Höhe des Mietzinses von Wohnungen in vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs errichteten Mehrparteienhäusern zumeist unter den Vollanwendungsbereich fällt.

Es gibt aber detaillierte Kriterien, die für die Anwendung erfüllt sein müssen.

In vollem Umfang gilt das Mietrechtsgesetz in:

  • Mietwohnungen in Gebäuden, für die die Baubewilligung bis 30. Juni 1953 erteilt und ohne öffentliche Fördermittel errichtet wurden und in denen es mehr als zwei Mietgegenstände gibt – also beispielsweise nicht in Ein- und Zweifamilienhäusern.
  • Vermieteten Eigentumswohnungen in Häusern, für die vor dem 8. Mai 1945 die Baubewilligung erteilt wurden und in denen es mehr als zwei Mietgegenstände gibt.
  • Wohnungen in geförderten Mietwohnungshäusern mit mehr als zwei Mietgegenständen.
  • Eine Ausnahme gibt es, wenn das Förderdarlehen nach dem Rückzahlungsbegünstigungsgesetz vorzeitig zurückgezahlt wurde. In diesem Fall entfällt die im MRG geregelte Mietzinsbindung und der Vermieter kann einen angemessenen Hauptmietzins verlangen. Ob es begünstigte Rückzahlungen gab, erfahren Mieter beim Wirtschaftsministerium.

Hier gilt das Mietrechtsgesetz teilweise

Ein zu Wohnungen ausgebautes Dachgeschoss. Foto: Gina Sanders / stock.adobe.com
Für ausgebaute Dachgeschosswohnungen ist das Datum der Baubewilligung entscheidend, ob das MRG ganz oder nur teilweise anwendbar ist. Foto: Gina Sanders / stock.adobe.com

Teilanwendung bedeutet, dass das MRG nur eingeschränkt anwendbar ist. Grob zusammengefasst lässt sich über diese Mietverträge sagen, dass in diesen Fällen die Vorschriften zur Kaution, die Regeln zur Befristung, die Bestimmungen zum Kündigungsschutz sowie die Regelungen zu Todesfällen aus dem MRG gelten. Die Regelungen des MRG zur Höhe des Mietzinses sowie zu den Betriebskosten gelten in diesen Fällen dagegen nicht.

Im Vergleich zur Vollanwendung ist der Mietzins im Teilanwendungsbereich frei verhandelbar. Mieter müssen vor allem prüfen, was der genannte Hauptmietzins beinhaltet. Gilt er nur für die reine Kaltmiete oder sind Betriebskosten und Heizkosten schon darin enthalten? Zudem ist der Begriff Betriebskosten im Teilanwendungsbereich nicht gesetzlich definiert. Mietinteressenten sind deswegen angehalten, genau zu prüfen, welche Kostenpunkte die Betriebskosten wirklich abdecken.

Nur teilweise anwendbar ist das Mietrechtsgesetz in:

  • Wohnungen in Gebäuden, die ohne Verwendung öffentlicher Wohnbauförderungsmittel errichtet wurden und für die eine Baubewilligung nach dem 30. Juni 1953 erteilt wurde.
  • Vermieteten Eigentumswohnungen in Häusern, für die eine Baubewilligung nach dem 8. Mai 1945 erteilt wurde. In diesem Fall spielt es keine Rolle, ob dafür Wohnbauförderungsmittel verwendet wurden.
  • Wohnungen, die sich in einem ausgebauten Dachboden oder einem Aufbau befinden, für den nach dem 31. Dezember 2001 eine Baubewilligung erteilt wurde.
  • Wohnungen, die durch einen Zubau neu geschaffen wurden, für den nach dem 30. September 2006 eine Baubewilligung erteilt wurde.

Bei diesen Wohnungen ist das Mietrechtsgesetz nicht anwendbar

Ein Gasthof in den Alpen Österreichs. Foto: Drepicter / stock.adobe.com
Für Gasthöfe, Hotels, Motels und ähnliche Unternehmen gilt die Vollausnahme vom Anwendungsbereich des MRG. Foto: Drepicter / stock.adobe.com

Das Mietrechtsgesetz nennt bestimmte Mietverhältnisse, auf die das MRG überhaupt nicht zur Anwendung kommt. Für solche Mietverhältnisse greifen dann überwiegend die frei gestaltbaren und nicht zwingend bestandrechtlichen Bestimmungen des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB).

Für Mieter bedeutet das in der Regel, dass es für sie und die Mietverhältnisse keinen speziellen Kündigungsschutz gibt. Zudem ist der Mietzins ohne gesetzliche Regelungen frei vereinbar. Des Weiteren gilt, dass die Dauer des Mietverhältnisses beliebig gestaltbar ist und zudem beliebig vereinbart werden kann, wer die Kosten für Erhaltungs- und Verbesserungsarbeiten zu tragen hat. Beweisen, dass das MRG keine Anwendung findet, liegt im Falle eines Streits beim Vermieter.

Das Mietrechtsgesetz gilt grundsätzlich nicht in:

  • Häusern mit ein oder zwei Mietwohnungen
  • Wohnungen, die durch den Ausbau des Dachbodens neu geschaffen wurden, dürfen nicht als dritte Wohnung gezählt werden. Das heißt, ein Gebäude mit nunmehr drei Wohnungen wird weiterhin so behandelt, als hätte es nur zwei Wohnungen.
  • Geschäftsräumlichkeiten wie Dienst- oder Werkswohnungen (vom Arbeitgeber gestellt)
  • Wohnungen der Ausstattungskategorie A oder B, wenn diese als Zweitwohnung aufgrund eines beruflich verursachten vorübergehenden Ortswechsels gemietet wurden.
  • Wohnungen der Ausstattungskategorie A oder B, wenn das Mietverhältnis auf ein halbes Jahr oder weniger befristet ist
  • Ferienwohnungen
  • Wohnungen, die von einer karitativen oder humanitären Organisation vermietet werden
  • Heimen, beispielsweise für Senioren, Schüler oder Studenten
Info

Ausstattungskategorie A  und B

  • Ausstattungskategorie A bedeutet grob, dass die Wohnung keine groben Mängel haben darf sowie über Küche, Kochnische, Vorraum, Klosett und eine Badegelegenheit verfügt. Zudem muss eine stationäre Heizung vorhanden sein und die Wohnung muss größer sein als 30 Quadratmeter.
  • Bei Kategorie B gibt es keine Flächenbegrenzung.

Sonderfall Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz

Einen rechtlichen Sonderfall gibt es für Genossenschaftswohnungen, also Wohnungen in Häusern, die von einer gemeinnützigen Bauvereinigung entweder errichtet oder gekauft wurden, um im größeren Umfang saniert zu werden. Auch hier gelten die Bestimmungen des MRG nicht zur Gänze – stattdessen gibt es im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) eigene Bestimmungen zur Erhaltung der Wohnung sowie zu den Eintrittsrechten in den Mietvertrag im Todesfall. Auch die Mietzinsvorschriften des MRG gelten für Genossenschaftswohnungen nicht, hier gibt es im WGG eigene Bestimmungen.

26.04.2021


Ihre Meinung zählt

(16)
4.5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
13
4 Sterne
 
1
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
1
1 Stern
 
1
Ihre Bewertung:

Neuen Kommentar schreiben

32 Kommentare

Olga am 03.08.2022 13:17

Wohne seit 2005 in einer Mietwohnung die über die Genossenschaft GEDESAG läuft. Seit dem haben wir jedes Jahr zweimal im Jahr eine Mieterhöhung. Anfangsmiete 568 Euro, jetzt sind wir schon auf 873 Euro

auf Kommentar antworten

Helmut Huber am 28.06.2022 23:24

Wo steigt man Finaziell besser aus.Entweder eine Mietwohnung die dem Mieterrechtschutz unterliegt oder eine Wohnung mit frei vereinbarten Mietzins die dem MRG nicht unterliegt

auf Kommentar antworten

Fada am 26.06.2022 20:00

Ich habe im Jahr 2016 die von mir bewohnte Genossenschaftswohnung gekauft. Errichtet wurde diese im Jahr 2005. Wenn ich diese Wohnung nun vermieten möchte, welches Gesetz kommt zur Anwendung MRG oder WGG?

auf Kommentar antworten
29 weitere Kommentare laden